
Ferndolmetschen in Videokonferenzen, so gelingt es
- March 07, 2023· Article by Maria Jones
- AI , Ferndolmetschen
Seit Videokonferenzen zum Arbeitsalltag gehören, treffen sich internationale Teams immer häufiger virtuell statt im Konferenzraum. Ein Vorstand in München bespricht die Quartalszahlen mit Kollegen in Mailand, ein Mittelständler verhandelt mit einem Zulieferer in Istanbul, eine Behörde führt ein Gespräch mit Partnern in Kiew.
Nicht alle Beteiligten sprechen dieselbe Sprache gut genug, um komplexe Themen sicher zu verhandeln. Ferndolmetschen macht es möglich, dass jede Person in ihrer stärksten Sprache spricht, ohne dass jemand reisen muss.
Was Ferndolmetschen bedeutet
Beim Ferndolmetschen arbeiten Dolmetscherinnen und Dolmetscher nicht im selben Raum wie die Teilnehmenden. Sie sind per Video oder Audio zugeschaltet, sitzen im eigenen Studio oder in einem Dolmetscherzentrum und übertragen das Gesagte in Echtzeit. Die Teilnehmenden wählen in der Konferenzsoftware ihren Sprachkanal.
Man unterscheidet zwischen simultanem Dolmetschen, bei dem fast zeitgleich übersetzt wird, und konsekutivem Dolmetschen, bei dem der Redner Pausen macht. Für große Meetings und Webinare ist das Simultanverfahren üblich, für kleinere Verhandlungen oder Interviews oft das konsekutive.
Warum Unternehmen darauf setzen
Der offensichtlichste Vorteil sind die Kosten. Reise, Hotel und Technik vor Ort entfallen. Außerdem lassen sich Dolmetscher für seltene Sprachen leichter finden, weil sie nicht in der Nähe wohnen müssen. Ein Gespräch mit Partnern in Vietnam oder Kolumbien lässt sich so kurzfristig organisieren.
Auch Nachhaltigkeit spielt eine Rolle. Viele Unternehmen wollen ihre Reisetätigkeit reduzieren und setzen bewusst auf virtuelle Formate. Ferndolmetschen ermöglicht es, diese Ziele zu erreichen, ohne bei der Verständigung Abstriche zu machen.
Die Technik entscheidet
Ferndolmetschen steht und fällt mit der Tonqualität. Laptop-Mikrofone, Hall in leeren Räumen und schwankende Internetverbindungen machen es Dolmetschern schwer, jedes Wort zu verstehen. Schon wenige verpasste Silben können eine Zahl oder einen Namen verfälschen.
Empfehlenswert sind kabelgebundene Headsets mit gutem Mikrofon, eine stabile LAN-Verbindung und ruhige Räume. Redner sollten ihre Kamera einschalten, denn Mimik und Lippenbewegungen helfen beim Verstehen. Wer eine Präsentation zeigt, sollte sie vorab an das Dolmetschteam schicken.
Professionelle Standards beachten
Internationale Berufsverbände wie AIIC haben Richtlinien für das Ferndolmetschen entwickelt. Sie betreffen unter anderem Tonqualität, Teamgröße und Arbeitszeiten. Simultandolmetscher arbeiten in der Regel zu zweit und wechseln sich etwa alle dreißig Minuten ab, weil die Konzentration sonst nachlässt.
Diese Regeln sind kein Bürokratismus, sondern schützen die Qualität. Ein übermüdeter Dolmetscher macht mehr Fehler, und in einer Vertragsverhandlung kann ein falsch übertragener Betrag teuer werden.
Die richtige Agentur wählen
Für Unternehmen ohne eigene Erfahrung lohnt sich die Zusammenarbeit mit einem spezialisierten Anbieter. Professionelle Dolmetscherdienste stellen nicht nur qualifizierte Sprachprofis, sondern beraten auch zur passenden Plattform, testen die Technik vorab und sind während der Veranstaltung erreichbar.
Wer regelmäßig mehrsprachige Online-Meetings plant, findet bei PoliLingua Informationen zum Ferndolmetschen sowie zu Vor-Ort- und Telefondolmetschen, abgestimmt auf unterschiedliche Formate und Branchen.
Vorbereitung ist die halbe Miete
Dolmetscher brauchen Unterlagen: Tagesordnung, Teilnehmerliste, Präsentationen, Fachbegriffe und Hintergrundinformationen. Je besser sie vorbereitet sind, desto präziser können sie arbeiten. Vertraulichkeit wird dabei durch Verschwiegenheitsvereinbarungen gesichert.
Auch die Redner können viel beitragen. Langsames, deutliches Sprechen, kurze Sätze und der Verzicht auf Abkürzungen erleichtern die Arbeit erheblich. Zahlen und Namen sollten bei Bedarf wiederholt oder im Chat ergänzt werden.
Wenn es schnell gehen muss
Nicht jedes Gespräch lässt sich lange planen. Bei kurzfristigen Telefonaten mit Kunden, Lieferanten oder Behörden ist Telefondolmetschen eine praktische Lösung. Ein Dolmetscher wird innerhalb weniger Minuten zugeschaltet und überträgt das Gespräch konsekutiv.
Wie dieser Service funktioniert und für welche Situationen er sich eignet, beschreibt der PoliLingua-Beitrag über Telefondolmetscher anhand typischer Einsatzbereiche in Medizin, Verwaltung und Wirtschaft.
Grenzen der automatischen Übersetzung
Viele Videoplattformen bieten inzwischen automatische Untertitel und KI-gestützte Übersetzungen an. Für informelle Teamrunden kann das hilfreich sein. Bei Verhandlungen, Schulungen oder sensiblen Personalgesprächen stoßen solche Funktionen jedoch schnell an Grenzen.
Maschinen erkennen Ironie, Höflichkeitsformen und Zwischentöne kaum. Sie haben Schwierigkeiten mit Fachbegriffen und Akzenten. Und sie tragen keine Verantwortung, wenn eine falsche Übersetzung zu einem Missverständnis führt.
Datenschutz in Online-Meetings
Gerade in Deutschland spielt Datenschutz eine große Rolle. Unternehmen sollten prüfen, wo die Konferenzsoftware Daten verarbeitet und ob Aufzeichnungen gespeichert werden. Dolmetscher müssen in die Datenschutzvereinbarungen einbezogen werden, da sie Zugang zu vertraulichen Inhalten erhalten.
Viele professionelle Anbieter arbeiten mit Plattformen, deren Server in der Europäischen Union stehen. Das erleichtert die Einhaltung der Datenschutz-Grundverordnung und schafft Vertrauen bei allen Beteiligten.
Kosten realistisch planen
Ferndolmetschen wird meist nach Halbtagen oder Stunden abgerechnet. Hinzu kommen Vorbereitungszeit und gegebenenfalls Gebühren für die Plattform. Wer mehrere Sprachen benötigt oder regelmäßig Meetings veranstaltet, kann mit einem Rahmenvertrag oft günstigere Konditionen vereinbaren und hat feste Ansprechpartner für die Technik.
Hybride Veranstaltungen
Immer häufiger finden Veranstaltungen hybrid statt. Ein Teil der Teilnehmenden sitzt im Saal, ein anderer Teil ist online dabei. Ferndolmetschen kann beide Gruppen bedienen, erfordert aber eine sorgfältige Abstimmung zwischen Saaltechnik und Konferenzplattform.
Wichtig ist, dass die Dolmetscher den Ton aus dem Saal sauber erhalten und ihre Verdolmetschung sowohl über Kopfhörer im Raum als auch über die Plattform ausgespielt wird. Ein technischer Probelauf vor der Veranstaltung ist dabei unverzichtbar.
Ferndolmetschen verbindet Menschen über Grenzen hinweg, ohne dass jemand die Koffer packen muss. Mit guter Technik, sorgfältiger Vorbereitung und professionellen Dolmetschern werden virtuelle Meetings so produktiv wie persönliche Treffen.